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Eine große Gebetsvigil mit Jugendlichen aus aller Welt ist der Höhepunkt
des XX. Weltjugendtags, zumindest der emotionale. Die Nacht mit Gebeten,
Gesängen und Anbetung des Allerheiligsten soll auf die Messfeier mit
Papst Benedikt XVI. vorbereiten. Den ganzen Samstag zogen
Hunderttausender junger Menschen auf das Marienfeld, eine ehemalige
Braunkohle-Grube bei Kerpen. 700.000 Jugendliche meldete die
Verkehrsleitzentrale schon gegen 19 Uhr. Am Samstag Abend, gegen 20 Uhr,
traf auch der Papst dort ein.
Eine „Kathedrale für einen Tag“ erhebt sich auf dem Marienfeld: 27
Leuchtsäulen, die für die deutschen Bistümer stehen. Eine Nacht mit dem
Papst im Zeichen des Lichtes: mit mehr als 12.000 strahlenden Kerzen, um
den Papsthügel und das Kreuz der Weltjugendtage zu erleuchten. Auch das
„Licht von Bethlehem“, das alljährlich nach Europa und auch nach
Deutschland gebracht wird, spielt eine Rolle bei der Feier dieser Nacht.
Dem Pontifex werden auch die Texte all der Gebete überreicht, die
Jugendliche im Geistlichen Zentrum des Weltjugendtags direkt am Rhein in
diesen Tagen geschrieben haben.
Papst Benedikt selbst hielt eine persönliche, ans Herz gehende Predigt,
in jugendgemäßer Sprache und warmem Tonfall, so gar nicht
professorenhaft, deutsch, englisch, französisch und spanisch: die
Sendung der drei Weisen aus dem Morgenland ins Heute übersetzt.
Hier einige akustische Eindrücke von der Vigil:
(rv 20.08.05 bp)
Hier der Gesamttext der Predigt in einer offiziellen Übersetzung:
Liebe Jugendliche!
Auf unserem Pilgerweg mit den geheimnisvollen Weisen aus dem Orient sind
wir jetzt an der Stelle angelangt, die uns Matthäus in seinem Evangelium
so beschreibt: „Und sie gingen in das Haus (über dem der Stern stehen
geblieben war) und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie
nieder und beteten es an“ (Mt 2, 11). Der äußere Weg dieser Männer war
zu Ende. Sie waren an ihrem Ziel. Aber an dieser Stelle beginnt für sie
ein neuer Weg, eine innere Pilgerschaft, die ihr ganzes Leben ändert.
Denn sie hatten sich diesen neugeborenen König gewiß anders vorgestellt.
Sie hatten ja in Jerusalem Halt gemacht und beim dortigen König nach dem
verheißenen Königskind gefragt. Sie wussten, daß die Welt in Unordnung
war, und deswegen war ihr Herz unruhig geblieben. Sie waren gewiss, daß
es Gott gebe, einen gerechten und gütigen Gott. Und sie hatten wohl auch
von den großen Prophezeiungen gehört, in denen die Propheten Israels
einen König vorhersagten, der im innersten Einklang mit Gott stehen und
von ihm her die Welt in Ordnung bringen würde. Diesen König waren sie
suchen gegangen: Sie waren im tiefsten auf der Suche nach dem Recht,
nach der Gerechtigkeit, die von Gott kommen musste und wollten diesem
König zu Diensten sein, sich ihm zu Füßen werfen und so selbst der
Erneuerung der Welt dienen. Sie gehörten zu denen, die „Hunger und Durst
haben nach der Gerechtigkeit“ (Mt 5, 6). Diesem Hunger und Durst waren
sie mit ihrer Pilgerschaft gefolgt – sie waren Pilger zur Gerechtigkeit,
die sie von Gott erwarteten und in deren Dienst sie selber treten
wollten.
Auch wenn die anderen Menschen, die zu Hause Gebliebenen, sie für
Fantasten und Träumer halten mochten – sie waren durchaus Realisten und
wussten, daß zur Änderung der Welt Macht gehört. Deshalb konnten sie das
Kind der Verheißung zunächst nur im Königspalast suchen. Aber nun beugen
sie sich vor einem Kind armer Leute, und sehr bald erfuhren sie, daß
Herodes – der König, den sie aufgesucht hatten – mit seiner Macht ihm
nachstellen würde und daß der Familie nur die Flucht und das Exil
verblieben. Der neue König, den sie anbeteten, war ganz anders, als sie
erwartet hatten. So mussten sie lernen, daß Gott anders ist, als wir ihn
gewöhnlich uns vorstellen. Nun begann ihre innere Wanderung. Sie begann
in dem Augenblick, in dem sie sich vor diesem Kind niederwarfen und es
als den verheißenen König anerkannten. Aber diese freudigen Gesten
mussten sie erst innerlich einholen.
Sie mussten ihren Begriff von Macht, von Gott und vom Menschen ändern
und darin sich selbst ändern. Sie sahen nun: Die Macht Gottes ist anders
als die Macht der Mächtigen der Welt. Die Art, wie Gott wirkt, ist
anders als wir es uns ausdenken und ihm gerne vorschreiben möchten. Gott
tritt in dieser Welt nicht in Konkurrenz zu den weltlichen Formen der
Macht. Er stellt nicht seine Divisionen anderen Divisionen gegenüber. Er
schickt Jesus auf dem Ölberg nicht 12 Legionen Engel zu Hilfe (vgl. Mt
26, 53). Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die
wehrlose Macht der Liebe gegenüber, die am Kreuz – und dann in der
Geschichte immer wieder – unterliegt und doch das Neue, das Göttliche
ist, das nun dem Unrecht entgegentritt und Gottes Reich heraufführt.
Gott ist anders – das erkennen sie nun. Und das bedeutet, daß sie nun
selbst anders werden, Gottes Art erlernen müssen.
Sie waren gekommen, sich in den Dienst dieses Königs zu stellen, ihr
Königtum nach dem Seinen auszurichten. Das war der Sinn ihrer
Huldigungsgebärde, ihrer Anbetung. Zu ihr gehörten auch die Geschenke –
Gold, Weihrauch, Myrrhe – Gaben, die man einem für göttlich angesehenen
König spendete. Anbetung hat einen Inhalt, und zu ihr gehört auch eine
Gabe. Die Männer aus dem Orient waren durchaus auf der richtigen Spur,
als sie mit der Gebärde der Anbetung dieses Kind als ihren König
anerkennen wollten, in dessen Dienst sie ihre Macht und ihre
Möglichkeiten zu stellen gedachten. Sie wollten durch den Dienst für ihn
und die Gefolgschaft mit ihm der Sache der Gerechtigkeit, des Guten in
der Welt dienen. Und da hatten sie recht. Aber nun lernen sie, daß das
nicht einfach durch Befehle und von Thronen herunter geschehen konnte.
Nun lernen sie, daß sie sich selber geben müssen – kein geringeres
Geschenk verlangt dieser König. Nun lernen sie, daß ihr Leben von der
Weise geprägt sein muss, wie Gott Macht ausübt und wie Gott selber ist:
Sie müssen Menschen der Wahrheit, des Rechts, der Güte, des Verzeihens,
der Barmherzigkeit werden. Sie werden nicht mehr fragen: Was bringt das
für mich, sondern sie müssen nun fragen: Womit diene ich der Gegenwart
Gottes in der Welt. Sie müssen lernen, sich zu verlieren und gerade so
sich zu finden. Indem sie weggehen von Bethlehem, müssen sie auf der
Spur des wahren Königs bleiben, in der Nachfolge Jesu.
Liebe Freunde, fragen wir uns, was das alles für uns bedeutet. Denn was
wir eben über die andere Art Gottes gesagt haben, die unsere Lebensart
bestimmen soll, klingt uns schön, aber es bleibt doch blass und
unbestimmt. Deswegen hat Gott uns Beispiele geschenkt. Die Weisen aus
dem Morgenland sind nur die ersten einer langen Prozession von Menschen,
die nach dem Stern Gottes mit ihrem Leben Ausschau gehalten, den Gott
gesucht haben, der uns Menschen nahe ist und uns den Weg zeigt. Es ist
die große Schar der Heiligen, der bekannten und der unbekannten, in
denen der Herr das Evangelium die Geschichte hindurch aufgeblättert hat
und aufblättert. In ihrem Leben kommt wie in einem großen Bilderbogen
der Reichtum des Evangeliums zum Vorschein. Sie sind die Lichtspur
Gottes, die er selbst durch die Geschichte gezogen hat und zieht. Mein
verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. hat eine große Schar von
Menschen vergangener und naher Zeiten selig- und heilig gesprochen. Er
wollte uns in diesen Gestalten zeigen, wie es geht, ein Christ zu sein;
wie es geht, das Leben recht zu machen – nach der Weise Gottes zu leben.
Die Seligen und Heiligen waren Menschen, die nicht verzweifelt nach
ihrem eigenen Glück Ausschau hielten, sondern einfach sich geben
wollten, weil sie vom Licht Jesu Christi getroffen waren. Und so zeigen
sie uns den Weg, wie man glücklich wird, wie man das macht, ein Mensch
zu sein. Im Auf und Ab der Geschichte waren sie die wirklichen
Erneuerer, die immer wieder die Geschichte aus den dunklen Tälern
herausgeholt haben, in denen sie immer neu zu versinken droht und immer
wieder so viel Licht in sie brachten, daß man dem Wort Gottes, wenn
vielleicht auch unter Schmerzen, zustimmen kann, der am Ende des
Schöpfungswerkes gesagt hatte: Es ist gut. Denken wir nur an Gestalten
wie Sankt Benedikt, wie Franz von Assisi, wie Teresa von Avila, Ignatius
von Loyola, Karl Borromäus, an die Ordensgründer des 19. Jahrhunderts,
die der Sozialen Bewegung ihr Herz gegeben haben oder an Heilige unserer
Zeit – Maximilian Kolbe, Edith Stein, Mutter Teresa, Pater Pio. Wenn wir
diese Gestalten ansehen, dann lernen wir, was „anbeten“ heißt und was es
heißt, nach den Maßstäben des Kindes von Bethlehem, den Maßstäben Jesu
Christi und Gottes selbst zu leben.
Die Heiligen sind die wahren Reformer, hatten wir gesagt. Ich möchte es
nun noch radikaler ausdrücken: Nur von den Heiligen, nur von Gott her
kommt die wirkliche Revolution, die grundlegende Änderung der Welt. Wir
haben im abgelaufenen Jahrhundert die Revolutionen erlebt, deren
gemeinsames Programm es war, nicht mehr auf Gott zu warten, sondern die
Sache der Verfassung der Welt ganz selbst in die Hände zu nehmen. Und
wir haben gesehen, daß damit immer ein menschlicher, ein parteilicher
Standpunkt zum absoluten Maßstab genommen wurde. Das Absolutsetzen
dessen, was nicht absolut, sondern relativ ist, heißt Totalitarismus. Es
macht den Menschen nicht frei, sondern entehrt ihn und versklavt ihn.
Nicht die Ideologien retten die Welt, sondern allein die Hinwendung zum
lebendigen Gott, der unser Schöpfer, der Garant unserer Freiheit, der
Garant des wirklich Guten und Wahren ist. Die wirkliche Revolution
besteht allein in der radikalen Hinwendung zu Gott, der das Maß des
Gerechten und zugleich die ewige Liebe ist. Und was könnte uns denn
retten wenn nicht die Liebe?
Liebe Freunde! lasst mich nur noch zwei kurze Gedanken anfügen. Von Gott
reden viele; im Namen Gottes wird auch Hass gepredigt und Gewalt
ausgeübt. Deswegen kommt es darauf an, das wahre Antlitz Gottes zu
finden. Die Weisen aus dem Orient haben es gefunden, als sie sich vor
dem Kind in Bethlehem beugten. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, hat
Jesus zu Philippus gesagt (Joh 14, 9). In Jesus Christus, der sich für
uns das Herz hat durchbohren lassen, ist uns das wahre Gesicht Gottes
erschienen. Ihm folgen wir mit der großen Schar derer, die uns da
vorangegangen sind. Dann gehen wir recht.
Das bedeutet, daß wir uns nicht einen privaten Gott und nicht einen
privaten Jesus zurechtmachen, sondern dem Jesus glauben, vor dem Jesus
uns beugen, den uns die Heiligen Schriften zeigen und der sich in der
großen Prozession der Gläubigen, die wir Kirche nennen, als lebendig,
als immer gleichzeitig mit uns und zugleich immer uns voraus zeigt. An
der Kirche kann man sehr viel Kritik üben. Wir wissen es, und der Herr
hat es uns gesagt: Sie ist ein Netz mit guten und schlechten Fischen,
ein Acker mit Weizen und Unkraut. Papst Johannes Paul II., der uns in
den vielen Seligen und Heiligen das wahre Gesicht der Kirche gezeigt
hat, hat auch um Verzeihung gebeten für das, was durch das Handeln und
Reden von Menschen der Kirche an Bösem in der Geschichte geschehen ist.
So hält er auch uns selber den Spiegel vor und ruft uns auf, mit all
unseren Fehlern und Schwächen in die Prozession der Heiligen
einzutreten, die mit den Weisen aus dem Orient begonnen hat. Im Grund
ist es doch tröstlich, daß es Unkraut in der Kirche gibt: In all unseren
Fehlern dürfen wir hoffen, doch noch in der Nachfolge Jesu zu sein, der
gerade die Sünder berufen hat. Die Kirche ist wie eine menschliche
Familie, und sie ist doch zugleich die große Familie Gottes, durch die
er einen Raum der Gemeinschaft und der Einheit quer durch die
Kontinente, durch die Kulturen und Nationen legt. Deswegen freuen wir
uns, daß wir zu dieser großen Familie gehören; daß wir Geschwister und
Freunde haben in aller Welt. Wir erleben es hier in Köln, wie schön es
ist, einer weltweiten Familie anzugehören, die Himmel und Erde,
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und alle Teile der Erde umspannt.
In dieser großen Weggemeinschaft gehen wir mit Christus, gehen wir mit
dem Stern, der die Geschichte erleuchtet.
„Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da
fielen sie nieder und beteten es an“ (Mt 2, 11). Liebe Freunde – das ist
nicht eine weit entfernte, lang vergangene Geschichte. Das ist
Gegenwart. Hier in der heiligen Hostie ist ER vor uns und unter uns. Wie
damals verhüllt er sich geheimnisvoll in heiligem Schweigen, und wie
damals offenbart er gerade so Gottes wahres Gesicht. Er ist für uns
Weizenkorn geworden, das in die Erde fällt und stirbt und Frucht bringt
bis zum Ende der Zeiten (vgl. Joh 12, 24). Er ist da wie damals in
Bethlehem. Er lädt uns ein zu der inneren Wanderschaft, die Anbetung
heißt. Machen wir uns jetzt auf diesen inneren Weg und bitten wir ihn,
daß er uns führe.
Amen.
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WJT: Papst-Predigt zum Abschluss
Rund eine Million Menschen haben auf dem Marienfeld
mit Papst Benedikt Eucharistie gefeiert. Der betonte in der Predigt,
durch die Eucharistie sei Vereinigung mit Gott möglich. Benedikt hielt
die Predigt in verschiedenen Sprachen. Im Anfangs- und Schlussteil
sprach er jeweils deutsch, dazwischen englisch, französisch, spanisch
und italienisch.
Lesen Sie hier die Kernsätze der Predigt:
"In der Eucharistie soll Anbetung Vereinigung werden…..
Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlsaal geschah und die
dazu bestimmt war, einen Prozess der Verwandlungen in Gang zu bringen,
dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt dahin ist, dass Gott alles
in allem sei. Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen
auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt. Dies nun ist der zentrale
Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird
in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben (…) Das ist sozusagen die
Kernspaltung im Innersten des Seins – der Sieg der Liebe über den Hass,
der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des
Guten her, das das Böse überwindet, kann dann die Kette der
Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. Alle anderen
Veränderungen bleiben oberflächlich und retten nicht.
(englisch)
Leib und Blut Christi werden uns gegeben, damit auch wir uns verwandeln.
Wir werden zum Leib Christi, zu seinem Leib und Blut.
Ich möchte den neuen Schritt, den uns das letzte Abendmahl nahe legt,
erläutern – anhand der verschiedenen Nuancen, die das Wort „Anbetung“ im
Griechischen und im Lateinischen hat. Das griechische Wort ist
Proskynesis. Es bezieht sich auf einen Gestus der Unterordnung, auf die
Anerkennung Gottes als unseren wahren Maßstab, auf das Flehen Ordnung,
der zu folgen wir uns entschlossen haben. Das bedeutet, dass Freiheit
nicht einfach heißt, das Leben unabhängig von allem zu genießen, sondern
nach dem Maßstab des Wahren und des Guten zu leben, so dass auch wir
wahr und gut werden können. Das ist notwendig, auch wenn uns unser
Freiheitssterben vielleicht zunächst zögern lässt. Wir können diese
Geste nur dann vollständig annehmen, wenn wir auch den zweiten Schritt
mit einbeziehen den das Letzte Abendmahl uns nahe legt. Das lateinische
Wort für Anbetung ist ad-oratio – ein Kontakt von Mund zu Mund, ein
Kuss, eine Umarmung, eine bedingungslose Liebe. Unterordnung wird
Vereinigung, weil der, dem wir uns unterwerfen Liebe ist. In diesem Sinn
bekommt Unterwerfung einen Sinn, weil es nicht um etwas geht, das uns
von außen auferlegt ist, sondern um etwas, das uns von tief innen heraus
befreit.
(französisch)
Schöpfung und Erlösung gehören zusammen. Deshalb ist der Sonntag so
wichtig, Es ist schon, dass heute in vielen Kulturen der Sonntag ein
freier Tag ist und mit dem Samstag zusammen ein freies Wochenende
bildet. Diese freie Zeit bleibt aber leer, wenn Gott nicht in ihr
vorkommt. Liebe Freunde, manchmal mag es zunächst unbequem erscheinen,
auch die Heilige Messe in das Sonntagsprogramm mit einzuplanen. Aber
wenn ihr euch darauf einlasst, werdet ihr feststellen, das es eben die
Messe ist, die der freien Zeit eine Mitte schenkt. Lasst euch also nicht
davon abhalten, an der sonntäglichen Eucharistie teilzunehmen und helft
anderen, sie zu entdecken. Denn aus ihr erwächst unsere wahre Freude.
Wir müssen gewiss lernen, ihre Tiefe immer weiter zu entdecken, wir
müssen lernen, sie zu lieben. (…) Indem ihr die Eucharistie liebt,
werdet ihr auch das Sakrament der Versöhnung wiederentdecken, in dem uns
die göttliche Barmherzigkeit immer wieder die Möglichkeit schenkt, einen
Neubeginn unseres Lebens zu wagen.
Italienisch
Wer Christus entdeckt hat, muss auch andere zu ihm bringen. Eine große
Freude kann man nicht für sich behalten. Man muss sie weitergeben. In
großen Teilen der Welt gibt es heute eine seltsame Gottvergessenheit. Es
scheint alles auch ohne ihn zu gehen. Aber gleichzeitig herrscht ein
Gefühl der Frustration, des Ungenügens an allen und allem. Und man muss
es laut aussprechen: Das kann nicht das Leben sein. Wahrhaft nicht. Und
daher geht mit der Gottvergessenheit gleichzeitig ein Boom des
Religiösen einher. Ich will nicht alles abwerten, was in diesem Kontext
steht. Es kann sicherlich eine aufrichtige Freude des Entdeckens geben.
Aber, das muss man sagen, oft wird Religion so zu einem Marktprodukt.
Man nimmt, was einem gefällt und so mancher weiß auch daraus Profit zu
schlagen. Aber diese "Self-Made-Religion“ hilft am Ende nicht. Sie ist
bequem, aber in der Stunde der Krise lässt sie uns im Stich. Helft den
Menschen den wahren Stern zu entdecken, der uns den Weg weist: Jesus
Christus.
(deutsch)
„Weil wir ein Brot sind, sind wir viele auch ein Leib“, sagt der heilige
Paulus. Er will damit sagen: Weil wir den gleichen Herrn empfangen und
er uns aufnimmt, in sich hineinzieht, sind wir auch untereinander eins,
Das muss sich im Leben zeigen. Es muss sich zeigen in der Fähigkeit des
Vergebens. Es muss sich zeigen in der Bereitschaft zu teilen. Es muss
sich zeigen im Einsatz für den Nächsten, den nahen wie den äußerlich
fernen, der uns angeht. (…) Wir dürfen zum Beispiel die alten Menschen
nicht ihrer Einsamkeit überlassen, an den Leidenden nicht vorbeigehen
(…) Wenn wir von Christus her denken und leben, dann gehen uns die Augen
auf, und dann leben wir nicht mehr für uns selber dahin, sondern dann
sehen wir, wo und wie wir gebraucht werden. (…) Ich weiß, dass Ihr als
junge Menschen das Große wollt, dass Ihr Euch einsetzen wollt für eine
bessere Welt. Zeigt es den Menschen, zeigt es der Welt, die gerade auf
dieses Zeugnis der Jünger Jesu Christi wartet und zuallererst durch das
Zeichen Eurer Liebe den Stern entdecken kann, dem wir folgen. Gehen wir
voran mit Christus und leben wir uns Leben als wirkliche Anbeter Gottes.
Amen."
(rv 21.08.05 bp) |