Weltjugendtag 2005 in Köln
 
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"Wir sind gekommen um IHN anzubeten."

 

Liebe Brüder und Schwestern!

"Wir sind gekommen, um IHN anzubeten!"

    Unter diesem Motto findet vom 16.-21.August 2005 der XX. Weltjugendtag in Köln statt, zu dem Papst Benedikt XVI. kommen wird. Vorher werden ein Teil der ausländischen Gäste vom 11.-14.August zu den Tagen der Begegnung in den Pfarreien in Deutschland sein, um unser Land, die Menschen und unsere Pfarreien vor Ort besser kennen zu lernen. Auch wir werden Gäste haben: ca. 50 Jugendliche und junge Erwachsene aus Posen (Polen). Ich heiße alle Gäste schon heute herzlich bei uns willkommen. Gemeinsam mit unseren Jugendlichen und so manchen Ehrenamtlichen aus dem künftigen Verbund haben wir uns ein Programm ausgedacht, das in diesem Pfarrbrief vorgestellt wird, damit alle wissen, was wir in den Tagen der Begegnung machen. Es geht vor allem darum unsere nähere Umgebung kennen zu lernen und sich dabei zu begegnen. Es wäre schön, wenn viele aus unseren Gemeinden zu den Gottesdiensten kommen. Danach werden sich unsere Gäste und 28 Jugendliche und (junge) Erwachsene aus unserem Dekanat auf den Weg nach Köln machen, wozu sich bis zum heutigen Datum 360.000 Jugendliche für das ganze Programm in Köln angemeldet haben. Papst Benedikt hat im Blick auf Köln und den Weltjugendtag folgendes gesagt:

Am 30.Mai sagte er:
    „Die Jugend will das Große. Sie will, dass dem Unrecht Einhalt geboten ist. Sie will, dass die Ungerechtigkeit überwunden und allen ihr Anteil an den Gütern der Welt wird. Sie will, dass die Unterdrückten ihre Freiheit erhalten. Sie will das Große, Sie will das Gute. Und deswegen ist die Jugend – seid ihr – auch wieder ganz offen für Christus....Christus zeigt uns Gott und damit die wahre Größe des Menschen.“

Bei seiner ersten Predigt als Papst sagte er:
„Heute möchte ich mit großem Nachdruck und großer Überzeugung aus der Erfahrung eines eigenen langen Lebens Euch, liebe junge Menschen, sagen: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Ja, öffnet die Türen weit für Christus- dann findet ihr das wirkliche Leben.“

In diesem Geist wünsche ich uns allen Gottes Segen hier vor Ort, in Köln und an allen anderen Orten, wo wir uns in den Tagen der Sommerferien aufhalten!

Ihr Pfarrer Kawollek

 

Programm "Tage der Begegnung"

XX. Weltjugendtag in Eschwege

                                                                                  (Änderungen sind möglich)

Donnerstag 11.August

Ankunft unserer Gäste und Verteilung auf die Gastfamilien
 

Ankunft der Gäste

Kirche zu den Hl. Apostel Heuberg


Freitag 12.August

9.00 Uhr Hl. Messe in der Elisabethkirche
anschl. Stadtrundgang in Eschwege
 

Pfarrertreffen

 

Gruppenfoto vor St. Elisabeth


12.30 Uhr Fahrt zum Bundesgrenzschutz mit Mittagessen und Programm

ca.18.00 Uhr Abendlob in der Apostelkirche,
anschl. Abendessen Gemeindehaus Apostelkirche
am Abend „Lichterreise“ auf den Leuchtberg
 

Samstag 13.August

10.00 Uhr Morgenlob in der Marktkirche
danach Fahrt auf den Meißner und Wanderung
Mittagessen in Abterode

ca.15.00 Uhr Hl. Messe Kirchenruine Abterode

danach Fahrt Richtung Bad-Sooden Allendorf und Kapelle der Einheit
Abendessen und Nachtgebet in Wanfried.

 

Sonntag 14.August

7.00 Uhr Aussendung in der Apostelkirche

Fahrt unserer Gäste und unserer Jugend nach Fulda

In Fulda ist um 11.00 Uhr Hl. Messe mit unserem Bischof auf dem Domplatz. Anschließend ist Straßenfestival in der ganzen Stadt, internationaler Abend auf dem Domplatz und Nachtgebet, Nacht der offenen Kirchen (bis 2.00 Uhr in der Nacht).

 

 
 

Programm des XX. Weltjugendtages in Köln


Montag 15.August

Anreise der Jugendlichen nach Köln/Rhein/Ruhr
 

Dienstag 16.August

Vorprogramm
17.00 Uhr Eröffnungsgottesdienste in Köln, Bonn und Düsseldorf
(mit Kardinal Meißner, Kardinal Lehmann u. Jugendbischof Bode)
anschl. Welcome Festival in Köln, Bonn und Düsseldorf
 

Mittwoch 17.August

Morgengebet, Katechese & Messe mit den Bischöfen
anschl. Jugendfestival


Donnerstag 18.August

Morgengebet, Katechese & Messe mit den Bischöfen

16.00 Uhr Willkommensfeier Papst Benedikt XVI.
anschl. Festival in der Kölner City
 

Freitag 19.August

Morgengebet, Katechese & Messe mit den Bischöfen
anschl. Jugendfestival
19.30 Uhr Kreuzweg / Abend der Versöhnung
 

Samstag 20.August

Morgengebet, Hl. Messe
Pilgerweg zum Marienfeld bei Köln-Frechen

18.30 Uhr Vigilfeier mit Papst Benedikt XVI.
Übernachtung auf dem Gelände
 


Eine große Gebetsvigil mit Jugendlichen aus aller Welt ist der Höhepunkt des XX. Weltjugendtags, zumindest der emotionale. Die Nacht mit Gebeten, Gesängen und Anbetung des Allerheiligsten soll auf die Messfeier mit Papst Benedikt XVI. vorbereiten. Den ganzen Samstag zogen Hunderttausender junger Menschen auf das Marienfeld, eine ehemalige Braunkohle-Grube bei Kerpen. 700.000 Jugendliche meldete die Verkehrsleitzentrale schon gegen 19 Uhr. Am Samstag Abend, gegen 20 Uhr, traf auch der Papst dort ein.

Eine „Kathedrale für einen Tag“ erhebt sich auf dem Marienfeld: 27 Leuchtsäulen, die für die deutschen Bistümer stehen. Eine Nacht mit dem Papst im Zeichen des Lichtes: mit mehr als 12.000 strahlenden Kerzen, um den Papsthügel und das Kreuz der Weltjugendtage zu erleuchten. Auch das „Licht von Bethlehem“, das alljährlich nach Europa und auch nach Deutschland gebracht wird, spielt eine Rolle bei der Feier dieser Nacht. Dem Pontifex werden auch die Texte all der Gebete überreicht, die Jugendliche im Geistlichen Zentrum des Weltjugendtags direkt am Rhein in diesen Tagen geschrieben haben.
Papst Benedikt selbst hielt eine persönliche, ans Herz gehende Predigt, in jugendgemäßer Sprache und warmem Tonfall, so gar nicht professorenhaft, deutsch, englisch, französisch und spanisch: die Sendung der drei Weisen aus dem Morgenland ins Heute übersetzt.
Hier einige akustische Eindrücke von der Vigil:


(rv 20.08.05 bp)


Hier der Gesamttext der Predigt in einer offiziellen Übersetzung:
Liebe Jugendliche!

Auf unserem Pilgerweg mit den geheimnisvollen Weisen aus dem Orient sind wir jetzt an der Stelle angelangt, die uns Matthäus in seinem Evangelium so beschreibt: „Und sie gingen in das Haus (über dem der Stern stehen geblieben war) und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und beteten es an“ (Mt 2, 11). Der äußere Weg dieser Männer war zu Ende. Sie waren an ihrem Ziel. Aber an dieser Stelle beginnt für sie ein neuer Weg, eine innere Pilgerschaft, die ihr ganzes Leben ändert. Denn sie hatten sich diesen neugeborenen König gewiß anders vorgestellt. Sie hatten ja in Jerusalem Halt gemacht und beim dortigen König nach dem verheißenen Königskind gefragt. Sie wussten, daß die Welt in Unordnung war, und deswegen war ihr Herz unruhig geblieben. Sie waren gewiss, daß es Gott gebe, einen gerechten und gütigen Gott. Und sie hatten wohl auch von den großen Prophezeiungen gehört, in denen die Propheten Israels einen König vorhersagten, der im innersten Einklang mit Gott stehen und von ihm her die Welt in Ordnung bringen würde. Diesen König waren sie suchen gegangen: Sie waren im tiefsten auf der Suche nach dem Recht, nach der Gerechtigkeit, die von Gott kommen musste und wollten diesem König zu Diensten sein, sich ihm zu Füßen werfen und so selbst der Erneuerung der Welt dienen. Sie gehörten zu denen, die „Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit“ (Mt 5, 6). Diesem Hunger und Durst waren sie mit ihrer Pilgerschaft gefolgt – sie waren Pilger zur Gerechtigkeit, die sie von Gott erwarteten und in deren Dienst sie selber treten wollten.

Auch wenn die anderen Menschen, die zu Hause Gebliebenen, sie für Fantasten und Träumer halten mochten – sie waren durchaus Realisten und wussten, daß zur Änderung der Welt Macht gehört. Deshalb konnten sie das Kind der Verheißung zunächst nur im Königspalast suchen. Aber nun beugen sie sich vor einem Kind armer Leute, und sehr bald erfuhren sie, daß Herodes – der König, den sie aufgesucht hatten – mit seiner Macht ihm nachstellen würde und daß der Familie nur die Flucht und das Exil verblieben. Der neue König, den sie anbeteten, war ganz anders, als sie erwartet hatten. So mussten sie lernen, daß Gott anders ist, als wir ihn gewöhnlich uns vorstellen. Nun begann ihre innere Wanderung. Sie begann in dem Augenblick, in dem sie sich vor diesem Kind niederwarfen und es als den verheißenen König anerkannten. Aber diese freudigen Gesten mussten sie erst innerlich einholen.

Sie mussten ihren Begriff von Macht, von Gott und vom Menschen ändern und darin sich selbst ändern. Sie sahen nun: Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen der Welt. Die Art, wie Gott wirkt, ist anders als wir es uns ausdenken und ihm gerne vorschreiben möchten. Gott tritt in dieser Welt nicht in Konkurrenz zu den weltlichen Formen der Macht. Er stellt nicht seine Divisionen anderen Divisionen gegenüber. Er schickt Jesus auf dem Ölberg nicht 12 Legionen Engel zu Hilfe (vgl. Mt 26, 53). Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüber, die am Kreuz – und dann in der Geschichte immer wieder – unterliegt und doch das Neue, das Göttliche ist, das nun dem Unrecht entgegentritt und Gottes Reich heraufführt. Gott ist anders – das erkennen sie nun. Und das bedeutet, daß sie nun selbst anders werden, Gottes Art erlernen müssen.

Sie waren gekommen, sich in den Dienst dieses Königs zu stellen, ihr Königtum nach dem Seinen auszurichten. Das war der Sinn ihrer Huldigungsgebärde, ihrer Anbetung. Zu ihr gehörten auch die Geschenke – Gold, Weihrauch, Myrrhe – Gaben, die man einem für göttlich angesehenen König spendete. Anbetung hat einen Inhalt, und zu ihr gehört auch eine Gabe. Die Männer aus dem Orient waren durchaus auf der richtigen Spur, als sie mit der Gebärde der Anbetung dieses Kind als ihren König anerkennen wollten, in dessen Dienst sie ihre Macht und ihre Möglichkeiten zu stellen gedachten. Sie wollten durch den Dienst für ihn und die Gefolgschaft mit ihm der Sache der Gerechtigkeit, des Guten in der Welt dienen. Und da hatten sie recht. Aber nun lernen sie, daß das nicht einfach durch Befehle und von Thronen herunter geschehen konnte. Nun lernen sie, daß sie sich selber geben müssen – kein geringeres Geschenk verlangt dieser König. Nun lernen sie, daß ihr Leben von der Weise geprägt sein muss, wie Gott Macht ausübt und wie Gott selber ist: Sie müssen Menschen der Wahrheit, des Rechts, der Güte, des Verzeihens, der Barmherzigkeit werden. Sie werden nicht mehr fragen: Was bringt das für mich, sondern sie müssen nun fragen: Womit diene ich der Gegenwart Gottes in der Welt. Sie müssen lernen, sich zu verlieren und gerade so sich zu finden. Indem sie weggehen von Bethlehem, müssen sie auf der Spur des wahren Königs bleiben, in der Nachfolge Jesu.

Liebe Freunde, fragen wir uns, was das alles für uns bedeutet. Denn was wir eben über die andere Art Gottes gesagt haben, die unsere Lebensart bestimmen soll, klingt uns schön, aber es bleibt doch blass und unbestimmt. Deswegen hat Gott uns Beispiele geschenkt. Die Weisen aus dem Morgenland sind nur die ersten einer langen Prozession von Menschen, die nach dem Stern Gottes mit ihrem Leben Ausschau gehalten, den Gott gesucht haben, der uns Menschen nahe ist und uns den Weg zeigt. Es ist die große Schar der Heiligen, der bekannten und der unbekannten, in denen der Herr das Evangelium die Geschichte hindurch aufgeblättert hat und aufblättert. In ihrem Leben kommt wie in einem großen Bilderbogen der Reichtum des Evangeliums zum Vorschein. Sie sind die Lichtspur Gottes, die er selbst durch die Geschichte gezogen hat und zieht. Mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. hat eine große Schar von Menschen vergangener und naher Zeiten selig- und heilig gesprochen. Er wollte uns in diesen Gestalten zeigen, wie es geht, ein Christ zu sein; wie es geht, das Leben recht zu machen – nach der Weise Gottes zu leben. Die Seligen und Heiligen waren Menschen, die nicht verzweifelt nach ihrem eigenen Glück Ausschau hielten, sondern einfach sich geben wollten, weil sie vom Licht Jesu Christi getroffen waren. Und so zeigen sie uns den Weg, wie man glücklich wird, wie man das macht, ein Mensch zu sein. Im Auf und Ab der Geschichte waren sie die wirklichen Erneuerer, die immer wieder die Geschichte aus den dunklen Tälern herausgeholt haben, in denen sie immer neu zu versinken droht und immer wieder so viel Licht in sie brachten, daß man dem Wort Gottes, wenn vielleicht auch unter Schmerzen, zustimmen kann, der am Ende des Schöpfungswerkes gesagt hatte: Es ist gut. Denken wir nur an Gestalten wie Sankt Benedikt, wie Franz von Assisi, wie Teresa von Avila, Ignatius von Loyola, Karl Borromäus, an die Ordensgründer des 19. Jahrhunderts, die der Sozialen Bewegung ihr Herz gegeben haben oder an Heilige unserer Zeit – Maximilian Kolbe, Edith Stein, Mutter Teresa, Pater Pio. Wenn wir diese Gestalten ansehen, dann lernen wir, was „anbeten“ heißt und was es heißt, nach den Maßstäben des Kindes von Bethlehem, den Maßstäben Jesu Christi und Gottes selbst zu leben.

Die Heiligen sind die wahren Reformer, hatten wir gesagt. Ich möchte es nun noch radikaler ausdrücken: Nur von den Heiligen, nur von Gott her kommt die wirkliche Revolution, die grundlegende Änderung der Welt. Wir haben im abgelaufenen Jahrhundert die Revolutionen erlebt, deren gemeinsames Programm es war, nicht mehr auf Gott zu warten, sondern die Sache der Verfassung der Welt ganz selbst in die Hände zu nehmen. Und wir haben gesehen, daß damit immer ein menschlicher, ein parteilicher Standpunkt zum absoluten Maßstab genommen wurde. Das Absolutsetzen dessen, was nicht absolut, sondern relativ ist, heißt Totalitarismus. Es macht den Menschen nicht frei, sondern entehrt ihn und versklavt ihn. Nicht die Ideologien retten die Welt, sondern allein die Hinwendung zum lebendigen Gott, der unser Schöpfer, der Garant unserer Freiheit, der Garant des wirklich Guten und Wahren ist. Die wirkliche Revolution besteht allein in der radikalen Hinwendung zu Gott, der das Maß des Gerechten und zugleich die ewige Liebe ist. Und was könnte uns denn retten wenn nicht die Liebe?

Liebe Freunde! lasst mich nur noch zwei kurze Gedanken anfügen. Von Gott reden viele; im Namen Gottes wird auch Hass gepredigt und Gewalt ausgeübt. Deswegen kommt es darauf an, das wahre Antlitz Gottes zu finden. Die Weisen aus dem Orient haben es gefunden, als sie sich vor dem Kind in Bethlehem beugten. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, hat Jesus zu Philippus gesagt (Joh 14, 9). In Jesus Christus, der sich für uns das Herz hat durchbohren lassen, ist uns das wahre Gesicht Gottes erschienen. Ihm folgen wir mit der großen Schar derer, die uns da vorangegangen sind. Dann gehen wir recht.

Das bedeutet, daß wir uns nicht einen privaten Gott und nicht einen privaten Jesus zurechtmachen, sondern dem Jesus glauben, vor dem Jesus uns beugen, den uns die Heiligen Schriften zeigen und der sich in der großen Prozession der Gläubigen, die wir Kirche nennen, als lebendig, als immer gleichzeitig mit uns und zugleich immer uns voraus zeigt. An der Kirche kann man sehr viel Kritik üben. Wir wissen es, und der Herr hat es uns gesagt: Sie ist ein Netz mit guten und schlechten Fischen, ein Acker mit Weizen und Unkraut. Papst Johannes Paul II., der uns in den vielen Seligen und Heiligen das wahre Gesicht der Kirche gezeigt hat, hat auch um Verzeihung gebeten für das, was durch das Handeln und Reden von Menschen der Kirche an Bösem in der Geschichte geschehen ist. So hält er auch uns selber den Spiegel vor und ruft uns auf, mit all unseren Fehlern und Schwächen in die Prozession der Heiligen einzutreten, die mit den Weisen aus dem Orient begonnen hat. Im Grund ist es doch tröstlich, daß es Unkraut in der Kirche gibt: In all unseren Fehlern dürfen wir hoffen, doch noch in der Nachfolge Jesu zu sein, der gerade die Sünder berufen hat. Die Kirche ist wie eine menschliche Familie, und sie ist doch zugleich die große Familie Gottes, durch die er einen Raum der Gemeinschaft und der Einheit quer durch die Kontinente, durch die Kulturen und Nationen legt. Deswegen freuen wir uns, daß wir zu dieser großen Familie gehören; daß wir Geschwister und Freunde haben in aller Welt. Wir erleben es hier in Köln, wie schön es ist, einer weltweiten Familie anzugehören, die Himmel und Erde, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und alle Teile der Erde umspannt. In dieser großen Weggemeinschaft gehen wir mit Christus, gehen wir mit dem Stern, der die Geschichte erleuchtet.

„Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und beteten es an“ (Mt 2, 11). Liebe Freunde – das ist nicht eine weit entfernte, lang vergangene Geschichte. Das ist Gegenwart. Hier in der heiligen Hostie ist ER vor uns und unter uns. Wie damals verhüllt er sich geheimnisvoll in heiligem Schweigen, und wie damals offenbart er gerade so Gottes wahres Gesicht. Er ist für uns Weizenkorn geworden, das in die Erde fällt und stirbt und Frucht bringt bis zum Ende der Zeiten (vgl. Joh 12, 24). Er ist da wie damals in Bethlehem. Er lädt uns ein zu der inneren Wanderschaft, die Anbetung heißt. Machen wir uns jetzt auf diesen inneren Weg und bitten wir ihn, daß er uns führe.

Amen.
 

 

Sonntag 21.August

Laudes
Hl. Messe auf dem Marienfeld und Aussendung durch Papst Benedikt XVI.

 

 

WJT: Papst-Predigt zum Abschluss
 

Rund eine Million Menschen haben auf dem Marienfeld mit Papst Benedikt Eucharistie gefeiert. Der betonte in der Predigt, durch die Eucharistie sei Vereinigung mit Gott möglich. Benedikt hielt die Predigt in verschiedenen Sprachen. Im Anfangs- und Schlussteil sprach er jeweils deutsch, dazwischen englisch, französisch, spanisch und italienisch.


Lesen Sie hier die Kernsätze der Predigt:

"In der Eucharistie soll Anbetung Vereinigung werden…..

Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlsaal geschah und die dazu bestimmt war, einen Prozess der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt dahin ist, dass Gott alles in allem sei. Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt. Dies nun ist der zentrale Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben (…) Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten des Seins – der Sieg der Liebe über den Hass, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, das das Böse überwindet, kann dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. Alle anderen Veränderungen bleiben oberflächlich und retten nicht.

(englisch)
Leib und Blut Christi werden uns gegeben, damit auch wir uns verwandeln. Wir werden zum Leib Christi, zu seinem Leib und Blut.

Ich möchte den neuen Schritt, den uns das letzte Abendmahl nahe legt, erläutern – anhand der verschiedenen Nuancen, die das Wort „Anbetung“ im Griechischen und im Lateinischen hat. Das griechische Wort ist Proskynesis. Es bezieht sich auf einen Gestus der Unterordnung, auf die Anerkennung Gottes als unseren wahren Maßstab, auf das Flehen Ordnung, der zu folgen wir uns entschlossen haben. Das bedeutet, dass Freiheit nicht einfach heißt, das Leben unabhängig von allem zu genießen, sondern nach dem Maßstab des Wahren und des Guten zu leben, so dass auch wir wahr und gut werden können. Das ist notwendig, auch wenn uns unser Freiheitssterben vielleicht zunächst zögern lässt. Wir können diese Geste nur dann vollständig annehmen, wenn wir auch den zweiten Schritt mit einbeziehen den das Letzte Abendmahl uns nahe legt. Das lateinische Wort für Anbetung ist ad-oratio – ein Kontakt von Mund zu Mund, ein Kuss, eine Umarmung, eine bedingungslose Liebe. Unterordnung wird Vereinigung, weil der, dem wir uns unterwerfen Liebe ist. In diesem Sinn bekommt Unterwerfung einen Sinn, weil es nicht um etwas geht, das uns von außen auferlegt ist, sondern um etwas, das uns von tief innen heraus befreit.

(französisch)
Schöpfung und Erlösung gehören zusammen. Deshalb ist der Sonntag so wichtig, Es ist schon, dass heute in vielen Kulturen der Sonntag ein freier Tag ist und mit dem Samstag zusammen ein freies Wochenende bildet. Diese freie Zeit bleibt aber leer, wenn Gott nicht in ihr vorkommt. Liebe Freunde, manchmal mag es zunächst unbequem erscheinen, auch die Heilige Messe in das Sonntagsprogramm mit einzuplanen. Aber wenn ihr euch darauf einlasst, werdet ihr feststellen, das es eben die Messe ist, die der freien Zeit eine Mitte schenkt. Lasst euch also nicht davon abhalten, an der sonntäglichen Eucharistie teilzunehmen und helft anderen, sie zu entdecken. Denn aus ihr erwächst unsere wahre Freude. Wir müssen gewiss lernen, ihre Tiefe immer weiter zu entdecken, wir müssen lernen, sie zu lieben. (…) Indem ihr die Eucharistie liebt, werdet ihr auch das Sakrament der Versöhnung wiederentdecken, in dem uns die göttliche Barmherzigkeit immer wieder die Möglichkeit schenkt, einen Neubeginn unseres Lebens zu wagen.
Italienisch

Wer Christus entdeckt hat, muss auch andere zu ihm bringen. Eine große Freude kann man nicht für sich behalten. Man muss sie weitergeben. In großen Teilen der Welt gibt es heute eine seltsame Gottvergessenheit. Es scheint alles auch ohne ihn zu gehen. Aber gleichzeitig herrscht ein Gefühl der Frustration, des Ungenügens an allen und allem. Und man muss es laut aussprechen: Das kann nicht das Leben sein. Wahrhaft nicht. Und daher geht mit der Gottvergessenheit gleichzeitig ein Boom des Religiösen einher. Ich will nicht alles abwerten, was in diesem Kontext steht. Es kann sicherlich eine aufrichtige Freude des Entdeckens geben. Aber, das muss man sagen, oft wird Religion so zu einem Marktprodukt. Man nimmt, was einem gefällt und so mancher weiß auch daraus Profit zu schlagen. Aber diese "Self-Made-Religion“ hilft am Ende nicht. Sie ist bequem, aber in der Stunde der Krise lässt sie uns im Stich. Helft den Menschen den wahren Stern zu entdecken, der uns den Weg weist: Jesus Christus.


(deutsch)
„Weil wir ein Brot sind, sind wir viele auch ein Leib“, sagt der heilige Paulus. Er will damit sagen: Weil wir den gleichen Herrn empfangen und er uns aufnimmt, in sich hineinzieht, sind wir auch untereinander eins, Das muss sich im Leben zeigen. Es muss sich zeigen in der Fähigkeit des Vergebens. Es muss sich zeigen in der Bereitschaft zu teilen. Es muss sich zeigen im Einsatz für den Nächsten, den nahen wie den äußerlich fernen, der uns angeht. (…) Wir dürfen zum Beispiel die alten Menschen nicht ihrer Einsamkeit überlassen, an den Leidenden nicht vorbeigehen (…) Wenn wir von Christus her denken und leben, dann gehen uns die Augen auf, und dann leben wir nicht mehr für uns selber dahin, sondern dann sehen wir, wo und wie wir gebraucht werden. (…) Ich weiß, dass Ihr als junge Menschen das Große wollt, dass Ihr Euch einsetzen wollt für eine bessere Welt. Zeigt es den Menschen, zeigt es der Welt, die gerade auf dieses Zeugnis der Jünger Jesu Christi wartet und zuallererst durch das Zeichen Eurer Liebe den Stern entdecken kann, dem wir folgen. Gehen wir voran mit Christus und leben wir uns Leben als wirkliche Anbeter Gottes.

Amen."

(rv 21.08.05 bp)





Auf Wiedersehen 2008 in Sydney
 

 

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