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Jesus (syrisches Evangeliar, 6. Jh.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurück gewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Mt 18,15-20
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Im Evangelium des Sonntags steht eine klare Handlungsanweisung: Wenn einer sündigt, sollen wir ihn zur Rede stellen, auch unter Zeugen. Und wenn die nicht helfen können, dann sollen wir es vor der Gemeinde öffentlich machen. Und wer macht das?
Kaum jemand, denke ich. Kaum jemand will es sich mit einem anderen verderben.
Und kaum jemand ist so ohne Sünde, dass er einen anderen wegen einer Sünde zur Rede stellen dürfte oder gar an den gemeindlichen Pranger stellen dürfte.
So sehr Jesus hier seine Jünger auszeichnet, so wenig fühle ich mich in dieser Sache in der Lage, seinen Willen zu vollziehen.
Und dennoch: Ich müsste es können. Ich müsste Sünder zurechtweisen können.
Nicht wegen der Sünder, sondern wegen der Sünden. Sie müssen weg aus meiner Welt, sie müssen weg aus der Welt der Gemeinde. Und wenn ich es nicht wage, andere zur Rede zu stellen, dann will ich wenigstens mit mir selber vor Gott treten und sagen: Ich bekenne dir, ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken. Gott, sei mir gnädig.
Nur das persönliche Beispiel und das persönliche Beichten kann andere dazu bewegen, sich selber zu befragen. Ich werde nie besser sein als andere, aber vielleicht kann ich versuchen, etwas ehrlicher zu sein. |